Zur Zeit bewegt, besonders im Raum München, ein Fall die Nachrichten. Der Skandal um den rabiaten S-Bahn Kontrolleur der widerrechtlich den Pass eines chinesischen Aupair-Mädchens einbehält.

Ein Journalist wird Zeuge, und redet sich anschließend auf Facebook in rage (zurecht) und das Ding geht viral.

Ich hab letztens mal einen Zeitungsbericht gelesen, dass Kontrolleure bei chinesischen Touristen gerne folgenden Streich spielen. Selbst wenn das Ticket okay ist, erzählen sie was von Polizei und wenn die Chinesen Panik kriegen, weil in China Polizei auch wirklich Probleme bedeuten, knöpft man ihnen mal leicht 60€ ab.

Er fragt eine andere asiatische Frau ob sie übersetzen könne. Also weil sie Schlitzaugen hätten, würden sie die gleiche Sprache sprechen, oder was?

Okay nun gut die junge Frau die gerade gelandet ist, hat nach bestem wissen einen Fahrschein gekauft und ihn nicht abgestempelt. Das Verfahren ist einfach, man schreibt den Namen und wenn es geht die Adresse auf, müsste bei vielen Visa sogar draufstehen. Bzw. da gibt es ja etliche Nummern und IDs also irgendwie bekommt man schon jemanden identifiziert. Anschließend schickt man eine Rechnung. Aber offenbar wurde der Reisepass nicht mehr zurück gegeben. Und sie sollte mit zur Polizei gehen (statt die Polizei kommen zu lassen) für mich ist das schon so eine Art Nötigung.

Ich finde Michael Preatorius handelt hier in dem Moment etwas unnötig, in dem er der S-Bahn noch mehr Geld schenkt weil er die Strafe bezahlt aber auch noch seine eigene Monatskarte verbrennt. Ich hoffe er hat wenigstens noch die Quittung für die 60€. Wenn sie schon bei der Polizei sind hätte er auch noch mit dem Kontrolleur zur Polizei gehen können und Anzeige erstatten können.

Wie würde man sich fühlen wenn da so ein grober Typ steht, ohne wirklich offiziell auszusehen? Warum gibt es überhaupt S-Bahn Kontrolleure?

Warum ist Bahnfahren in Deutschland eigentlich so kompliziert. Mit all den Menüs in den Automaten. Mit Karten die mal gestempelt werden müssen und manche Karten nicht. Und überhaupt Fahrscheine entwerten, das sagt doch schon alles.

Ich war vor 6-7 Wochen in Seoul und Tokyo. Am Flughafen Incheon und Haneda gab es entweder Ticketverkaufsschalter oder Leute die einem den Automaten erklärten. Und das auf Englisch. Und Englisch ist gar nicht so selbstverständlich zu erwarten in Südkorea oder Japan. Und obwohl ich keinen Plan von deren Schriftzeichen habe kam ich super zurecht. Die Automaten in Englisch, Chinesisch, Japanisch und Koreanisch. Die Ansagen in den Zügen ebenfalls. Immer zweisprachig und an großen Umsteigebahnhöfen viersprachig.

Es gibt dort drei übliche Verfahren um Bahn zu fahren. Man gibt im Automaten die Station ein und lässt sich so den Fahrpreis berechnen, man kauft die Fahrkarte steckt sie beim betreten des Bahnhofs in das Tor. Und bei verlassen des Zielbahnhofs ebenfalls. Wenn das Ticket ausreicht geht das Tor auf. Ansonsten kann man den Rest vorher noch an einem Automaten nachlösen. In Japan sind diese Tickets aus Magnetpapier, in Seoul aus einer NFC-Plastikkarte für die ein Pfand von 500 Koreanischen Won fällig wird (50 Eurocent) diese bekommt man zurück wenn man an einem Refundautomaten nach der Fahrt wieder abgibt. Die andere Möglichkeit sind Zeitkarten, für 3 Tage oder eine Woche oder ganze Monate. Die letzte Möglichkeit ist das man eine IC-Card (Pasmo / Suica) oder T-Money Card bei einem 7eleven kauft. Diese Karte läd man auf wie eine Prepaid-Karte, anschließt legt man sie auf die Zugangsbarrieren damit diese öffnen in Seoul kann man dann im U- und S-Bahnsystem frei umsteigen und der Fahrpreis berechnet sich aus der Entfernung beim Verlassen des Zielbahnhofs und wird von der Karte abgebucht. Dies funktioniert absolut reibungslos. In Tokyo muss man beim Wechsel der U- und S-Bahnbetreiber jedes mal aus- und einchecken. Hin und wieder gibt es auch sogenannte Transfergates, die einen günstigeren Umstieg versprechen. Im Gegensatz zu den Zeitkarten ist dieses Pay-as-you-go-Verfahren nicht umbedingt günstiger aber sehr bequem. Im Gegensatz zu den Einzelfahrkarten wird der Fahrpreis auf den 1ct genau berechnet und nicht auf volle 10çt aufgerundet.

Ich frage mich warum das hier nicht geht? Wenn das doch woanders so zuverlässig ist. Warum kann man bei uns überhaupt ohne Ticket auf den Bahnsteig oder sogar in den Zug einsteigen. (Warum haben wir eigentlich auch keine Gleisbarrieren, die verhindern das man auf die Gleise geschubst werden kann). Und die NFC-Karten von der BVG/S-Bahn in Berlin sind auch irgendwie mega langsam.

In Deutschland haben wir ein chaotisches Ticket-System bei dem auch reihenweise Deutsche einen Fehler machen. Unser ÖPNV könnte sich mal modernsieren und weniger seine Kunden gängeln. Wenn wir wollen das mehr Leute auf die Öffis umsteigen müssen wir was tun.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.