Zugegeben; dies sollte eigentlich ein Rant gegen Unu werden, doch mittlerweile glaube ich, dass ich die Entwickler von Unu verstehen kann.

Backdrop

Das letzte mal das ich Unu fuhr war im Mai 2015. Seit dem hat sich nichts getan außer das ein paar Farben gestrichen wurden und manche Farben nur noch mit höherer Motorisierung möglich werden.

Unu fährt immer noch mit einem Nabenmotor (auch In-Wheel oder Hub-Motor genannt). Und im Prinzip ist er an die chinesischen E-Bikes, E-Scooter angelehnt. Auch wenn er wohl hier designed sein soll, ich hab solche Modelle mit anderer Verkleidung schon in Asien gesehen.

Present-Day

Eineinhalb Jahre das ist eine Menge Zeit. Seit eineinhalb Jahren gibt es eMio, mit denen ich bislang sehr gerne Fahre. Die eMio-Flotte besteht aus emco-Rollern (ebenfalls China-Importe) mit 1,5kw- oder 2kw-Nabenmotoren. Und vor einem halben Jahr poppte dann auch noch Coup auf, eine 100 prozentige Tochter von Bosch, die hier ein Roller-Sharing auf Basis der in Deutschland noch nicht verkauften Gogoro-Roller setzten. Unu hat also viel aufzuholen. Auf dem Social-Media-Feed sieht man eigentlich nur das sie eine Deep-House-Compilation rausgebracht haben und eine Front-Cover-Bemal-Aktion gemacht haben, tja dit is Berlin.

Antriebe

Nabenmotoren sind aufwendig und meines Erachtens ein bisschen teuerer. Sie sind größer, denn sie müssen das komplette notwendige Drehmoment direkt an das Rad bringen. Viel Drehmoment heißt oft viel Strom, viel Strom heißt viel Wärme im Motor die weg muss. Es soll zwar Nabenmotoren geben die ein Planetengetriebe haben aber das macht die Sache noch aufwendiger. Die meisten Nabenmotoren sind einfach nur riesige Brushless-Motoren mit Außenläufer, sogenannte Outrunner. Das Bedeutet, dass die Spulen auf dem Stator in der Mitte sind und die Magnete, die von den magnetisierten Spulen an- bzw. abgestoßen werden, auf dem Rotor drumherum laufen. Auf jeden Fall ist es bei Elektromotoren (oder bei fast allen Motoren) im allgemeinen leichter Drehgeschwindigkeit als Drehmoment zu erzeugen. Ich bin daher überzeugt das kleinere Motoren mit Zahnriemen den Nabenmotoren überlegen sind. Gogoro nutzt dies so. Sie nutzen einen Innenläufer/Inrunner-BLDC Motor mit 6,4kW. Das heißt um hier den Gogoro zugelassen zu bekommen müssen sie den Motor auf 4kw drosseln ansonsten ist der nicht in der AM/M Klasse die man mit dem B-Führerschein fahren darf. Der Innenläufer hat den Vorteil das man die Anker um die die Spulen gewickelt sind mit Flüssigkeit kühlen kann. Nachteil ist das der Zahnriemenantrieb ein wenig wartungsanfälliger ist aber nicht mehr als es bei konventionellen Fahrzeugen der Fall wäre. Außerdem sind seperate Motoren kleiner zu bauen. Es gibt wie den E-Skateboards Motoren die so groß sind wie eine Kiwi und 1kW ausspucken. Mehr Watt sind meistens größer (so wie ein oder zwei Fäuste.)

Jeder Elektromotor muss natürlich versorgt werden. Dafür gibt es Motorcontroller. Der von emco ist in der Premium-Variante übers Smartphone einstellbar so daß man zwischen Akku-schonen und Sport-Modus.

Batterien

Beim Unu muss man für eine erweiterte Reichweite die Akkus per Hand umstecken. Einen einfachen Batterie-Balancer gibt es nicht. Dabei ist sowas sehr praktisch um die Lithium-Zellen im Optimum laufen zu lassen und so eine lange Lebensdauer rauszuholen. Lithium-Akkus lieben es nämlich wenn sie nicht komplett leer geladen werden. Die emco-Roller haben das und ich glaube der Gogoro S auch. Der Gogoro-Roller hat auch ein tolles Dashboard wo sowas alles sichtbar ist. Bei Gogoro werden die Batterien übrigens nicht gekauft sondern man mietet sie für eine monatliche Gebühr und kann die Batterien so häufig wie man möchte an einer GoStation tauschen wo sie dann aufgeladen werden, und mit einem frischen Paar weiter fahren. Einmal quer durch Berlin, das sind 25km da bekommt man auf der Rückfahrt doch schon Reichweiten-Angst. Leider ist der Gogoro noch nicht freiverkäuflich in Deutschland. Trotzdem des vergleichsweise hohen Preises würde ich ihn nehmen wegen der höheren Wertigkeit. Beim Gogoro muss man gar nichts mit einem Kabel stecken denn im Akkupack-Boden befindet sich ein verpolungssicherer Anschluss. Steckt den Akku einfach nur ins Fach. Und dann ist immer noch genug platz für einen Helm.

Warum ich die Unu-Leute doch verstehen kann

Also warum ist Unu noch nicht so weit obwohl sie schon vor einer Weile angefangen haben? Ich würde sagen es ist das deutsche Zulassungssystem. Hätte es damals den TÜV und die aktuelle Gesetzgebung hätte Carl Benz nie das Automobil-Erfinden können. (Und Motorräder überhaupt. Man packt einen brennbaren Benzin-Tank und ein Metallgussteil mit in dem das Benzin explodiert zwischen seine Beine.) Für alle Teile braucht man Zertifikate und Prüfer. Manche Komponenten (Vmax-Limiter) dürfen auch nur von bestimmten Herstellern gebaut werden die in einer Liste im Gesetz eingetragen sind. Ich mein ein Elektro-Fahrzeug kriegt jeder Mechatroniker zusammen gebastelt. Einen Schweißrahmen, einen BLDC-Motor. 120 18650-LithiumIonen-Zellen einen ESC (z.b. der von Vedder), ein paar Räder, und LED-Licht. Aber dafür eine Allgemeine Betriebserlaubnis zu bekommen steht ja noch mal auf einem anderem Blatt.

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